Vom 01.-04. März waren wir – eine SchuPa-Gruppe vom Ernst-Mach- und eine vom Kurt-Huber-Gymnasium – auf der ENSA Auftaktkonferenz am Werbellinsee in Brandenburg. ENSA, das entwicklungspolitische Austauschprogramm der Bundesregierung fördert uns auch dieses Jahr wieder, so dass wir Ende des Schuljahres jeweils Gruppen von 10 Schülerinnen und zwei Lehrkräften zu uns einladen können. Die Stiftung Jugendaustausch Bayern übernimmt, wie letztes Jahr, wieder die Co-Förderung. Wir freuen uns sehr darüber, dass wir durch diese Förderungen unsere Freund:innen aus Ilembula und Emmaberg zu uns einladen und sie damit wiedersehen können!


Im Folgenden berichten die Schüler:innen des KHG darüber, wie sie die Auftaktkonferenz erlebt haben:
Den Montag Vormittag hatten wir mit unserer Gruppe und unserer ENSA Trainerin Anja Programm. Nach einem Kennenlernspiel und der Frage, welche Wünsche wir an unsere Zeit auf der Auftaktkonferenz haben, stand zum Teambuilding ein Kooperationsspiel im Freien an. Dabei wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt und bekamen verschiedene Legobausteine. Unsere Aufgabe war es, einen (recht komplizierten) Baum aus Lego nachzubauen. Allerdings war unser Vorbild hinter einem Vorhang versteckt und es durfte immer jeweils nur eine Person die Vorlage für kurze Zeit anschauen. Diese „Späher“ berichteten dann ihrer Gruppe, was sie sich gemerkt hatten, durften allerdings selbst so lange keinen Stein setzen, bis ein neuer „Späher“ losgeschickt wurde. In der Mitte wurde den Teams dann bewusst, dass jeweils zwei Steine mit denen des anderen Teams vertauscht waren, und nach einem kurzen Check mit dem Vorbild wurde schnell getauscht. Am Ende waren die Bäume fast identisch. Beim Besprechen des Spiels stellten wir fest, wie unterschiedlich Perspektiven und Stärken einzelner Personen in der Gruppe sein können und wie wichtig es ist, auf sie zu achten.



Nach einer Teepause haben wir mit Anja die Namen der Kontinente auf dem Boden ausgebreitet und damit angefangen, Luftballons als geflüchtete Menschen den Kontinenten zuzuordnen: Wer nimmt die meisten auf? Überrascht waren wir über die Ergebnisse: Europa (mit Russland) 24,5%, Afrika 26,9% und der Asien 44,5%, Nordamerika dagegen nur 0,023% und Süd- und Mittelamerika 0,016% (Quelle UNHCR). Sehr ungerecht fanden wir, dass gerade die Kontinente, die am ärmsten sind, am meisten Flüchtende aufnehmen. Anschließend haben wir uns noch die Zahlen für die Binnenflüchtenden – also Menschen, die innerhalb ihres Landes flüchten – angeschaut: da ist die Verteilung sogar noch ungerechter. Geschockt waren wir von der hohen Zahl der Flüchtenden: 117,3 Millionen Menschen waren im Juni 2025 auf der Flucht, das heißt, dass ein Mensch von 70 fliehen musste. Und das waren nur die mit offiziellem Flüchtlingsstatus! Wir fanden die Methode eine gute Wahl, weil sie uns die Zahlen ganz konkret vor Augen geführt hat.


Nach diesen Erkenntnissen gab es auch schon die Mittagspause. Am Nachmittag und dem nächsten Vormittag hatten wir einen Workshop mit einer anderen ENSA Trainerin ohne unsere Lehrer:innen, aber mit den Schüler:innen einer anderen Schule, die sich bei ihrer Begegnungsreise wie wir mit Flucht beschäftigen. Auch hier gab viele überraschende Momente. Besonders schön fanden wir die Zusammenarbeit mit den Schüler:innen der anderen Schule, weil man sich über die verschiedenen Partnerschaften austauschen und zum Beispiel erfragen konnte, ob sie schon mal ihre Partnerschule besucht haben. Der Workshop war außerdem sehr interaktiv gestaltet und es wurde auch auf unseren Wunsch eingegangen, dass wir auch Zeit draußen verbringen. Dort haben wir uns in einer Art „Spiel“ in verschiedene Situationen hineinversetzt, die uns dazu bringen würden, selbst zu fliehen. Außerdem haben wir uns damit auseinandergesetzt, was uns auf der Flucht begegnen würde wie z.B. die unmenschlichen Lebensumstände in den Lagern, die lebensgefährliche Flucht über das Meer mit Pushbacks durch die europäische Küstenwache. Im weiteren Teil des Workshops haben wir uns viel mit Flüchtenden in Afrika, vor allem Kenia beschäftigt. Durch Geschichten über deren Flucht und Übungen zur Verteilung der Geflüchteten haben wir ein ganz neues Bild und Verständnis von unserem Oberthema Flucht bekommen. Ganz neu für uns war, wie wenig Menschen tatsächlich nach Europa flüchten, da uns gar nicht bewusst war, dass weltweit so viele Menschen fliehen müssen.


Am Dienstagnachmittag hatten wir dann wieder gemeinsam Programm als Reisegruppe und mit Anja. Der Programmpunkt zu Rassismus fand draußen statt. Wir haben uns in Zweier-Teams aufgeteilt und haben pro Person ein (anti-)rassistisches Zitat bekommen, welches wir – ohne zu recherchieren – in einen auf dem Boden liegenden Zeitstrahl einordnen sollten. Bei der Auswertung ist uns aufgefallen, dass die Teams das Zitat oft einigermaßen richtig eingeordnet haben. Jedoch haben uns manche Zuordnungen auch überrascht, da beispielsweise eine sehr rassistische Bemerkung, die wir eher älter geschätzt hatten, ziemlich neu war und sogar von einem französischen Präsidenten auf dem afrikanischen Kontinent geäußert wurde. Das hat uns noch einmal verdeutlicht, wie sehr Rassismus auch heute noch vorhanden ist.


Danach gingen wir zurück in den Raum, in dem der Workshop stattfand. Dort setzten wir uns zusammen, um das Incoming – also den Besuch der tansanischen Schülerinnen bei uns – zu besprechen. Zuerst schrieben wir Ideen und Vorschläge dafür, wie man den Besuch unserer Partnerschule so angenehm wie möglich für die Schülerinnen und Lehrer:innen aus Emmaberg gestalten kann und wie wir unser Umfeld bestmöglich darauf vorbereiten können, auf Plakate. Danach setzten wir uns zusammen und diskutierten über potenzielle Aktivitäten und Kontakte mit Organisationen oder Privatpersonen mit Flüchtlingshintergrund, die bereit sind, darüber zu sprechen, die wir in unser Programm für den Besuch miteinbeziehen können.
Auch das Freizeitprogramm während der Auftaktkonferenz war sehr abwechslungsreich. Es gab beispielsweise Aktivitäten wie Stofftaschen bemalen, Disco- und Karaokeabende, eine Fotobox und viele weitere spannende Angebote. Ein Kinosaal war ebenfalls jeden Abend geöffnet, sodass man sich einen Film anschauen konnte.
Auf dem großen Gelände befand sich zudem ein See mit einer wunderschönen Naturumgebung, den wir bei herrlichem Wetter mehrmals täglich besuchten. Bälle für unterschiedliche Sportarten konnten ebenfalls ausgeliehen werden, sodass man sowohl mit Freund:innen aus der eigenen Gruppe als auch mit neuen Kontakten aus anderen Schulen sportlich aktiv sein und gemeinsam Spaß haben konnte.
Außerdem hatte jede Person die Möglichkeit, sich in das eigene Zimmer oder in einen Gemeinschaftsraum zurückzuziehen, um dort zum Beispiel Musik zu hören. Dank dieser vielfältigen und tollen Angebote gab es für alle die Möglichkeit, eine Aktivität zu finden, die den eigenen Interessen und Wünschen entsprach.

Insgesamt haben uns die vier Tage auf der Auftaktkonferenz sehr gut gefallen: Wir haben viel gelernt, neue Menschen kennengelernt und sind als Gruppe zusammengewachsen.
Hannes, Elisabeth, Jessica, Josef, Franziska, Jule, Abby, Katharina und Penelope









