P-Seminar „Gemeinsam für mehr Bildungsgerechtigkeit“ am Gymnasium Tegernsee: Ein Schuljahr, ein Ziel

Mit genau dieser Frage starteten wir – elf Schülerinnen des Ethik-P-Seminars – unter der Leitung unserer Lehrerin Christina Sohn in das Schul-jahr. Damals wussten wir nur eines: Wir wollten nicht nur über Bildungsgerechtigkeit sprechen, sondern selbst etwas bewegen. Dass daraus ein Aktionstag für rund 500 Schüler:innen entstehen würde, hätten wir nie gedacht.

Zu Beginn nahmen wir an zwei Workshops des Programms „Bildung trifft Entwicklung“ (BtE) mit der Referentin Christina Pauls teil. Dort setzten wir uns intensiv mit Bildungsgerechtigkeit, den Ursachen globaler Ungleichheiten, verschiedenen Perspektiven und unserer eigenen Verantwortung auseinander. Um diese Themen nicht nur theoretisch zu betrachten, sondern auch einen konkreten Einblick in ihre Auswirkungen zu erhalten, führten wir anschließend einen Videocall mit der Schulleiterin Mrs Mapunda unserer Projektpartnerschule, der Thomas Nyimbo Secondary School (TNSS) in Tansania. Sie berichtete von den Herausforderungen des Schulalltags vor Ort sowie den Zukunftswünschen ihrer Schülerinnen und Schüler. Dadurch wurde aus einem zunächst abstrakten Thema für uns eine greifbare Realität.

Wir wollten nicht nur selbst etwas über Bildungsgerechtigkeit lernen, sondern auch unsere Mitschüler:innen für dieses Thema sensibilisieren. Ein Sponsorenlauf allein genügte uns deshalb nicht. Je mehr wir planten, desto deutlicher wurde uns, dass wir Lernen, Aufklärung und konkretes Handeln miteinander verbinden wollten. So entstand nach und nach die Idee eines Aktionstags für mehr Bildungsgerechtigkeit an dem die ganze Schule teilnehmen konnte.

Rückblickend haben wir anfangs ziemlich unterschätzt, wie viel Arbeit hinter so einem Projekttag steckt. Gemeinsam entwickelten wir ein Konzept für rund 500 Schüler:innen der Jahrgangsstufen 5 bis 11. Wir stellten unser Projekt in allen Klassen vor, gestalteten Informationsmaterialien, gewannen Sponsor:innen aus der Region und stimmten den Aktionstag mit der Schulfamilie, der Stadt Tegernsee und zahlreichen externen Partner:innen ab.

Damit jede Klasse einen altersgerechten Workshop zu Bildungsgerechtigkeit besuchen konnte, entwickelten unsere Lehrkräfte gemeinsam ein abwechslungsreiches Bildungsprogramm. Unterstützt wurden sie dabei durch eine schulinterne Fortbildung zum Globalen Lernen mit der BtE-Referentin Beate Dallmeier.

Am 13. Juli war es schließlich so weit: Rund 500 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 11 nahmen an unserem ersten Aktionstag für mehr Bildungsgerechtigkeit teil.

Hier würde ich die BtE-Referentinnen sachlich würdigen, aber noch nicht danken:

Der Aktionstag bestand aus zwei Bausteinen: Während beim Spendenlauf Runde um Runde für unsere Partnerschule in Tansania gelaufen wurde, beschäftigten sich die Klassen in Workshops mit Fragen der Bildungs(un)gerechtigkeit – weltweit, aber auch in Deutschland. Dabei ging es um Chancengleichheit, soziale Herkunft, Privilegien und Klassismus sowie um die Frage, welchen Beitrag jede und jeder Einzelne zu mehr Bildungsgerechtigkeit leisten kann. Viele der Workshops wurden von Lehrkräften unseres Gymnasiums gestaltet. Unterstützt wurden sie von den vier BtE-Referentinnen Lisa Schnatterer, Natacha Amelie Diane Nyonse Tchoumba Bamy, Ann Kristin Gildhof und Beate Dallmeier, die für die 7. und 8. Jahrgangsstufen insgesamt acht Workshops durchführten.

Besonders in Erinnerung bleiben wird uns die Stimmung an diesem Tag auf der Point. Trotz der sommerlichen Temperaturen gaben unsere Mitschüler:innen Runde für Runde ihr Bestes. Musik sorgte für gute Stimmung, überall wurde angefeuert und gegenseitig motiviert. Zu erleben, wie die gesamte Schulgemeinschaft gemeinsam an einem Ziel arbeitete, war für uns einer der schönsten Momente des Projekts. Für die nötige Stärkung zwischendurch sorgten EDEKA Friedlmeier Tegernsee, REWE Aydin Gmund und die Bäckerei Perkmann mit gespendetem Obst, Getränken und kleinen Snacks.

Beim Spendenlauf erliefen die Schüler:innen und Lehrkräften nach aktuellem Stand rund 27.000 Euro für die Thomas Nyimbo Secondary School in Tansania. Dieses Ergebnis hat unsere Erwartungen weit übertroffen!

Mit den Spendengeldern werden insbesondere 54 Schüler:innen unterstützt, deren Familien das jährliche Schulgeld von rund 170 Euro nicht bezahlen können. Welche weiteren Projekte – unter anderem zur Verbesserung der Wasser-, Hygiene- und Sanitärbedingungen sowie der Menstruationshygiene für Schülerinnen – mit den Spendengeldern umgesetzt werden können, wird unsere Lehrerin Christina Sohn bei ihrem Besuch im August in ihrer Funktion als Vorstandsmitglied von SchuPa Tansania e. V. gemeinsam mit der Schulleitung, den Lehrkräften und der tansanischen Partnerorganisation Responsible Community in Education (RCE) direkt vor Ort abstimmen.

Was als Idee in unserem P-Seminar begann, wurde im Laufe des Schuljahres zu einem gemeinsamen Projekt der ganzen Schulgemeinschaft – möglich gemacht durch das Engagement vieler Menschen.

Unser herzlicher Dank gilt allen, die dieses Projekt unterstützt haben: unseren Lehrkräften und der Schulleitung, der Stadt Tegernsee, dem Elternbeirat sowie den zahlreichen Unternehmen, Förderern, Sponsor:innen und Privatpersonen, die mit finanzieller Unterstützung, Sachspenden und persönlichem Einsatz zum Gelingen beigetragen haben.

Wir freuen uns, dass wir mit unserem Projekt nicht nur Spendengelder sammeln, sondern auch das Thema Bildungsgerechtigkeit an unserer Schule sichtbar machen konnten.

Louisa, Teilnehmerin des P-Seminars