01 — ANKOMMEN & KENNENLERNEN

Vom 15. bis 30. Juli durften wir sechs Schülerinnen, vier Schüler und zwei Lehrkräfte aus Tansania am Ernst-Mach-Gymnasium Haar willkommen heißen – eine von unserer Partnerschule Ilembula Secondary, eine von der Luduga Secondary, der Partnerschule unseres Nachbargymnasiums.
Der Besuch knüpfte direkt an den Besuch einer EMG-Gruppe im vergangenen Jahr an und führte den persönlichen Austausch nahtlos weiter. Dank der Förderung durch ENSA und der Stiftung Jugendaustausch Bayern, des großen Engagements unserer SchuPa-Wahlkursgruppe und der Host-Eltern wurde aus einem Besuch eine echte Begegnung auf Augenhöhe.
Schon beim Ankommen wurde schnell klar: Hier treffen sich nicht einfach Gäste und Gastgeber. Hier kommen junge Menschen zusammen, die neugierig aufeinander sind, Fragen haben, Erfahrungen teilen und gemeinsam etwas auf die Beine stellen wollen.
Beim Besuch von Unterrichtsstunden, in ersten Gesprächen und beim gemeinsamen Kennenlernen wurden Unterschiede entdeckt, Gemeinsamkeiten gefunden und erste Vorstellungen gewonnen, wie die gemeinsamen Tage aussehen werden.
02 — GEMEINSAM ARBEITEN
Ein Thema das alle angeht
Im Mittelpunkt des Austausches stand das gemeinsame Projekt:
„Her Flow TZ – D: Period Poverty and Menstrual Health“
Ausgehend vom Leitgedanken „From Menstruation Facts to Global Action“ ging es Schritt für Schritt vom Wissen über den eigenen Körper hin zu gesellschaftlichen Fragen und konkreten Lösungsideen:
Den Körper verstehen → Probleme verstehen → Gesellschaft verstehen → Lösungen finden
Die große gemeinsame Frage lautete:
Wie können Mädchen und Jungen gemeinsam dazu beitragen, Periodenarmut und Stigmatisierung zu verringern und die Menstruationsgesundheit in Deutschland und Tansania zu verbessern?
Gemeinsam denken und Perspektiven wechseln

Gearbeitet wurde in gemischten deutsch-tansanischen Gruppen. Die Schülerinnen und Schüler recherchierten, diskutierten, probierten aus und gestalteten gemeinsam zu fünf verschiedenen Themenbereichen.
Als Grundlage dienten zuverlässige Quellen wie WHO, UNICEF und Binti/Africraft. Außerdem lernten die Gruppen, wie man Informationen für ein Poster sinnvoll strukturiert und mit der kostenlosen Design-App Excalidraw visuell aufbereitet.

Doch es ging um mehr als Fakten und Gestaltung. Die Schülerinnen und Schüler brachten ihre unterschiedlichen Erfahrungen und Sichtweisen ein, stellten Fragen und diskutierten darüber, wie Menstruation in Deutschland und Tansania wahrgenommen und erlebt wird.
Der eigentliche Perspektivwechsel passierte dabei ganz nebenbei – im gemeinsamen Gespräch.

Fünf Gruppen, fünf Perspektiven
01 – Menstruation verstehen
Was passiert während der Menstruation – und warum ist sie ein ganz normaler Teil des Lebens?
Die Gruppe zeigte, warum Wissen über den eigenen Körper wichtig ist um Menstruation als normalen biologischen Vorgang zu verstehen.
02 – Periodenarmut
Warum ist Periodenarmut sowohl in Tansania als auch in Deutschland ein Problem?
Im Fokus stand die Frage, wie fehlender Zugang zu Menstruationsprodukten, Informationen und geeigneten sanitären Einrichtungen Bildung und gesellschaftliche Teilhabe beeinflussen kann.
03 – Stigma und gesellschaftliche Vorstellungen
Warum ist Menstruation noch immer ein Tabuthema?
Die Gruppe nahm Stereotype, Mythen und Scham unter die Lupe. Sie zeigte, wie negative Sprache und gesellschaftlicher Druck dazu führen können, dass Menschen ihre Menstruation verstecken – und wie sich solche Vorstellungen verändern lassen.
04 – Jungen als Verbündete
Warum sollten sich auch Jungen mit Menstruationsgesundheit beschäftigen?
Die Gruppe beschäftigte sich mit der Frage, welche Rolle Jungen und Männer beim Abbau von Vorurteilen und Stigmatisierung spielen können. Ziel war es, herauszuarbeiten, wie Verständnis, Respekt und Unterstützung zu einem offenen und gleichberechtigten Umgang mit Menstruation beitragen können.
05 – Was können Schulen tun?
Wie können Schulen zu einem unterstützenden Ort werden?
Die Schülerinnen und Schüler entwickelten konkrete Ideen: ausreichend Toiletten und Wasser, Privatsphäre und sichere Einrichtungen, kostenlose Menstruationsprodukte und vor allem Aufklärung. Hier ging es auch um Organisationen und Kampagnen, die Veränderungen anstoßen – und um die Frage, wie auch junge Menschen selbst aktiv werden können.
Aus Ideen werden sichtbare Ergebnisse
Recherche, Diskussion und Kreativität mündeten in fünf informative Poster, die von den Gruppen präsentiert wurden und künftig als Informationsmaterial am EMG und an den tansanischen Partnerschulen eingesetzt werden können.

Ihre Botschaften sind klar und direkt:
„There is no shame in menstruation.“ „Period poverty is a big problem, but we can change something. Everybody should have the same chance in life.“ "Being unaware leads to problems. Knowledge brings about change." „Understanding makes us stronger: Be respectful, offer help, stop joking.“ "More education, safe and private toilets, sufficient water and access to period products."
03 — GEMEINSAM ERLEBEN
Denn Austausch findet nicht nur am Schreibtisch statt
Natürlich bestand der Besuch nicht nur aus Recherche, Diskussionen und Postergestaltung. Gemeinsam kochen, Musik machen, Sport treiben, Ausflüge unternehmen, reden, lachen und einfach Zeit miteinander verbringen: Auch abseits des Projekts gab es viele Gelegenheiten, sich wirklich kennenzulernen.





Gerade in diesen gemeinsamen Momenten wurde aus dem Austausch mehr als ein Schulprojekt. Es entstanden Freundschaften, neue Perspektiven und Erinnerungen, die bleiben.
Wie die Schülerinnen und Schüler diese zwei Wochen erlebt haben, erzählen sie am besten selbst:
| 🇩🇪 EMG | 🇹🇿 ILEMBULA SECONDARY |
| „Ich hätte tatsächlich nicht gedacht, dass ich mich innerhalb von zwei Wochen so gut mit meiner tansanischen Austauschschülerin anfreunde. Es ist ein sehr tolles Gefühl, Freunde auf der anderen Seite der Welt zu haben.“ — Laura | „My trip was so good because we learned about things that are so different from our country – for example the lifestyle and the school. We also discussed ‘Understanding Menstruation and the Menstrual Cycle’ in our group.“ — Caroline |
| „Für mich war das Incoming eine mega Erfahrung und ich würde es jederzeit wieder machen. Am Anfang war ich sehr nervös – aber im Nachhinein hat einfach alles super geklappt.“ — Magdalena | „Engaging boys as allies is important for building safe and equal societies.“ — Shakila |
| „Ich habe viele neue Dinge gelernt und neue Freunde gefunden. Auch schwierigere Situationen konnten wir zusammen lösen. Ich bin sehr froh, dass ich mitgemacht habe – und würde es auf jeden Fall noch einmal machen.“ — Paula | „We cooperated, discussed in unity and peace, and shared different ideas about our cultures and taboos. I got new experiences, discovered differences in Tanzanian and German food and found new friends. It was so cool, good and wonderful – I will never forget this journey.“ — Judith |
04 — WAS BLEIBT
Erinnerungen, Freundschaften und neue Perspektiven
Was bleibt, sind neben vielen schönen Erinnerungen auch die Erfahrungen mit den vielfältigen Aufgaben, die ein solcher Austausch mit sich bringt. Die Beantragung finanzieller Förderung und die Visa-Verfahren sind dabei nur zwei Beispiele für den organisatorischen Aufwand und manche Hürde im Vorfeld.
Was bleibt, sind auch neue Perspektiven auf den eigenen Alltag: auf das, was die eigenen Lebensbedingungen bieten, aber auch auf ihre Schattenseiten. Vielleicht ist es gelungen, dass beide Gruppen dabei entdecken, was sie an ihrer jeweiligen Lebenswelt schätzen und was sie voneinander lernen können.
Was aber vor allem bleibt, sind die persönlichen Begegnungen: die bemerkenswert gute Zusammenarbeit der Schüler:innen, der offene und reflektierte Umgang miteinander und mit ungewohnten Alltagssituationen. Sie schaffen eine Grundlage für das Kennenlernen einer anderen Kultur, neue Perspektiven und Freundschaften, die weit über die zwei gemeinsamen Wochen hinausreichen können.