Ein Rückblick auf unsere Präsentation bei der Wissenschaftswoche (Leitfach Ethik, Christina Sohn)
„Panta rhei – alles fließt.“ Dieser alte Gedanke aus der griechischen Philosophie war für uns der Einstieg in ein hochaktuelles Thema, mit dem wir uns im Leitfach Ethik unter der Leitung von Christina Sohn im Rahmen der Wissenschaftswoche beschäftigten: Wasser als Lebensgrundlage – und als ethische Herausforderung.
Während bei uns Wasser ganz selbstverständlich aus dem Hahn kommt, fehlt es in vielen Teilen der Welt an verlässlichem Zugang zu sauberem Trinkwasser. Besonders im Globalen Süden – etwa in Ländern wie Äthiopien oder Tansania – wird Wasser immer mehr zur knappen Ressource. Uns war schnell klar: Es geht hier nicht nur um ein Umweltthema, sondern um Fragen der Gerechtigkeit:
- Wer hat Zugang zu Wasser – und wer nicht?
- Welche Verantwortung trägt der Globale Norden, also auch Deutschland – auch mit Blick auf die koloniale Vergangenheit und die bis heute spürbaren wirtschaftlichen Abhängigkeiten?
- Und welche Projekte können tatsächlich etwas verändern?
Zwischen Klimakrise, Macht und knappen Ressourcen
Die Gründe für Wassermangel sind vielfältig: Der Klimawandel sorgt für Dürren und unregelmäßige Regenperioden, vor allem auch für Starkregen. Böden verlieren ihre Fähigkeit, Wasser zu speichern. In vielen Regionen kommen wirtschaftliche Interessen hinzu: Internationale Konzerne sichern sich Wasserrechte – und nutzen sie wirtschaftlich, oft auf Kosten der lokalen Bevölkerung. Ein Beispiel dafür ist der große Staudamm in Äthiopien, der das Nilwasser kontrolliert und zu Spannungen mit Ägypten und dem Sudan führt.
Diese Entwicklungen sind aber nicht losgelöst von historischen Zusammenhängen: Viele der heutigen Konflikte wurzeln in Grenzziehungen aus der Kolonialzeit – oft willkürlich, ohne Rücksicht auf geografische oder gesellschaftliche Strukturen. Bis heute profitieren europäische Unternehmen von günstigen Anbauflächen und Ressourcen in Afrika. Daraus ergibt sich eine besondere Verantwortung für den Globalen Norden, sich nicht nur finanziell, sondern auch politisch für eine gerechtere Verteilung von Wasser einzusetzen.
Lösungsansätze – mit Potenzial für die Thomas Nyimbo Secondary School
Wir wollten aber nicht nur Probleme benennen, sondern auch zeigen, dass es bereits Initiativen gibt, die auf globaler Ebene gemeinsam nach sinnvollen lokalen Lösungen suchen. Besonders spannend fanden wir dabei ein Projekt, das bereits an drei weiterführenden Schulen in Tansania umgesetzt wird: der Ilembula Secondary School, der Luduga Secondary School und der Emmaberg Girls’ Secondary School. Alle drei gehören – ebenso wie die Thomas Nyimbo Secondary School (TNSS), zu der das Gymnasium Tegernsee derzeit eine Schulprojektpartnerschaft aufbaut – zum Netzwerk von SchuPa Tansania e. V.
Dort wird unter anderem mit Biochar gearbeitet – einer Pflanzenkohle, die aus organischen Reststoffen wie Maisspindeln und anderen pflanzlichen Abfällen hergestellt wird. Mit natürlichen Nährstoffen angereichert und in den Boden eingearbeitet, verbessert sie die Bodenstruktur, steigert die Ernteerträge und kann den Bedarf an teurem Kunstdünger deutlich reduzieren. Gleichzeitig schont sie Umwelt und Gesundheit. Die Herstellung kommt mit einfachen, vor Ort verfügbaren Mitteln aus und nutzt Materialien, die ohnehin anfallen. Damit verbindet die Methode lokales Wissen, vorhandene Ressourcen und die Eigeninitiative der Menschen vor Ort.



Besonders eindrucksvoll war für uns der anschließende Video-Call mit Herrn Danner von der NGO Char2Cool. In den 90 Minuten erklärte er uns sehr anschaulich, wie Pflanzenkohle hergestellt wird, wie sie wirkt – und warum sie beim Schutz vor Bodenerosion und Wassermangel eine so große Rolle spielen kann. Der Austausch hat uns nachhaltig beeindruckt, weil spürbar wurde, wie praxisnah, zugänglich und wirkungsvoll dieses Konzept ist.
Ein ergänzendes Projekt an den tansanischen Schulen setzt auf Regenwasserspeicherung: Mit einfachen Mitteln wie Dachrinnen und Wassertanks wird Regen aufgefangen und gespeichert, sodass auch in Trockenzeiten bewässert werden kann. Das schafft neue Möglichkeiten für Schulgärten oder die kleinbäuerliche Nutzung – und stärkt zugleich die Unabhängigkeit vor Ort.
Was wir mitgenommen haben
Die Auseinandersetzung mit Wasserethik hat uns gezeigt, wie eng Umweltfragen mit globaler Gerechtigkeit verbunden sind – und dass Verantwortung mehr bedeutet, als nur Hilfe anzubieten. Es geht darum, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, die wirklich vor Ort funktionieren. Oder wie Walter Danner, der Gründer von Char2Cool, es formuliert hat: „Man darf dem Menschen nicht einfach helfen – man muss ihn befähigen.“
Marina, Fabian, Franz