KHG-Reisegruppe im Ruaha Nationalpark

Die Europäer haben die Uhr, die Tansanier die Zeit. Allerdings lag es nicht daran, dass wir eine Stunde später als geplant in Richtung Iringa starteten. Denn unser Gepäck musste wie bei einem Puzzle so optimal in den Bus geschichtet werden, dass alle Reisenden einen ganzen Sitzplatz für die lange Busfahrt hatten. Netterweise konnten wir drei Koffer für die nachfolgende Gruppe aus dem Ernst-Mach-Gymnasium zurücklassen. Asante sana!

Mister Kidodelo, der Manager von Emmaberg, der uns am Flughafen und an anderen Stellen der Reise eine große Hilfe war, war in der vorigen Nacht abgereist, um wieder seinen Pflichten nachzugehen. Nach mehreren Rasten, großen Landschaftsveränderungen und von Affen gesäumten Straßen kamen wir schließlich in Ilula an, wo wir meine (Esters) langjährige Brieffreundin Rahel abholten. Nach einer weiteren viertel Stunde machten wir an einem Denkmal Pause. Nach Iringa mussten wir uns leider von der Teerstraße verabschieden und fuhren ab dann auf den berühmt berüchtigten „Wellblech“-Sandpisten an idyllischen Dörfchen, Straßenständen und Feldern vorbei. Trotz des extremen Wackelns und Ruckelns ließen wir uns den Spaß definitiv nicht nehmen.

Ziemlich genau zum Sonnenuntergang kamen wir schließlich nach etwas mehr als neun Stunden in der Unterkunft für unsere nächsten zwei Tage, der Ruaha Hilltop-Lodge an. Nach mehreren Sonnenuntergangsfotos und der Zimmerverteilung halfen uns Angestellte, unsere Koffer die langen Wege zu unseren Häusern, die wildromantisch im Berghang errichtet waren, hochzutragen. Nach dem Abendessen und dem kurzen Bewundern des Sternenhimmels mit der Milchstraße gingen wir gleich auf unsere Zimmer, da uns morgen ein langer und ereignisreicher Tag erwartete.

Geweckt wurden wir am nächsten Tag von einem malerischen Sonnenaufgang hinter den großen Weiten der Baumwipfellandschaft und kalten Temperaturen, die gegen Mittag allerdings gefühlt deutlich die 30 Grad-Marke überschritten, so dass wir froh waren, dass unsere Geländewagen alle ein Dach hatten. Neben unseren Fahrern hatten jeder der drei Jeeps einen sehr gut ausgebildeten Guide, der uns alle Tiere, Pflanzen und geografischen Besonderheiten erklärte.

Der Park war einfach nur beeindruckend. An der Brücke des Ruaha Flusses trafen wir schon auf Hippos, einen Haufen Krokodile, viele Vogelarten und Elefanten. Danach sahen wir Giraffen, Affen, Impalas, unterschiedlichste große und kleine Vögel, Kudus und was nicht alles. Nach einer Picknickpause, wo wir unter unserem Sonnenschutzdach auf eine kleine schlafende Eule trafen und im Hintergrund Zebras und Impalas beim Trinken am Flussufer bewundern konnten, starteten wir gestärkt in den zweiten Teil der Safari.

Als ganz besonders herausragend hat sich uns das schlafende Löwenrudel, ein Leguan, eine riesige Herde Büffel, eine Elefantengroßfamilien mit Baby und ein Vogel Strauß ins mit Eindrücken nur so geflutete Gedächtnis eingebrannt. Am beeindruckendsten war aber vielleicht ein kleiner Kampf zwischen zwei Giraffenmännchen um ein Weibchen, die sich gegenseitig den Hintern mit ihren Köpfen versohlt haben (?!). Ein unglaubliches Schauspiel.

Auf dem Rückweg, für den unser Fahrer einen anderen Weg als die anderen beiden gewählt hatte, hatte einer jener Jeeps eine Panne, sodass wir an der Ruaha-Brücke auf die anderen warten durften, während sie das Problem beheben konnten. Den Rückweg traten wir im Licht der untergehenden Sonne mit hoher Geschwindigkeit an, um wieder rechtzeitig in der Lodge für ein Gruppenbild vor dem Sonnenuntergang zu sein. Der Tag war auch, obwohl er wunderschön war, unglaublich anstrengend, weshalb wir am Abend hundemüde ins Bett fielen und die Safari im Traum nachreisen konnten. (Ester Rückert)